1,8 Millionen Euro fließen in Projekte zu Teilhabe und Integration

Eine Millionen-Investition in Teilhabe und Integration in Ostwestfalen: Die Premium Food Group aus Rheda-Wiedenbrück und das Land Nordrhein-Westfalen haben am Donnerstag erste Einblick in konkrete Projekte gegeben, die im Rahmen des OWL-Corona-Sozialfonds gefördert werden. Vertreterinnen und Vertreter der zwölf ausgewählten Projekte aus Kommunen, Einrichtungen, Verbänden und Vereinen stellten ihre Maßnahmen vor, von denen insbesondere Beschäftigte der Fleischindustrie und deren Familien profitieren sollen.
1,8 Millionen Euro – genau diese Summe schütten das Land NRW und die Premium Food Group in der ersten Phase in den kommenden drei Jahren aus. Zwölf konkrete Projekte zur Teilhabe und Integration werden damit über einen langen Zeitraum gefördert. „Aus einer rechtlichen Auseinandersetzung ist eine tolle Zusammenarbeit geworden, von der tausende Menschen in Ostwestfalen-Lippe direkt profitieren“, betonte Katharina Meschede, Projektkoordinatorin OWL-Corona-Sozialfonds bei der Premium Food Group.
Eines der Projekte, die über den Fonds des Lebensmittelproduzenten und des Landes NRW gefördert werden, ist die Sprachförderung in Kitas von der Stadt Rheda-Wiedenbrück. Das Projekt unterstützt die Sprachkompetenz nicht-deutschsprachiger Kinder aus Mittel- und Südosteuropa. Konkret geht es um zehn Kitas in Rheda-Wiedenbrück mit hohem Förderbedarf. Die Jungen und Mädchen erhalten in diesem Rahmen wöchentlich zusätzliche Sprachförderstunden. Diese werden in den Kita-Alltag integriert.
„Herausforderungen, aber auch Chancen, zeigen sich besonders in unseren Kitas und Grundschulen“
„Arbeitsmigration prägt unsere Stadt: 23 Prozent aller Einwohnerinnen und Einwohner haben eine ausländische Staatsangehörigkeit. Die damit verbundenen Herausforderungen, aber auch Chancen, zeigen sich besonders in unseren Kitas und Grundschulen“, betonte Dr. Ina Epkenhans, Beigeordnete der Stadt Rheda-Wiedenbrück, bei der Vorstellung am Donnerstag.
Um die Integration insbesondere von osteuropäischen Männern und Frauen in den deutschen Arbeitsmarkt geht es beim Projekt „Brücken zur Integration Gütersloh“, kurz „BIG“, vom evangelischen Johanneswerk Bielefeld. Potenzielle Arbeitskräfte werden durch das Projekt an den Pflegeberuf herangeführt. „Menschen mit Migrationshintergrund, die sich für den Bereich Pflege interessieren, können bei uns eine entsprechende Ausbildung machen“, erläuterte Heike Reuter vom evangelischen Johanneswerk.
Integrationsmanager unterstützt direkt vor Ort
Im Rahmen des Projekts wird ein regionaler Integrationsmanager die nächsten drei Jahren in fünf Altenhilfeeinrichtungen des Johanneswerks in den Kreisen Gütersloh und Warendorf eingesetzt. Er soll dafür sorgen, dass Menschen mit Migrationshintergrund für Pflegeberufe gewonnen werden. Bei der Integration in den Betrieb werden Interessenten kontinuierlich unterstützt.
Auch Träger der anderen zehn Projekte waren am Donnerstag in den Räumlichkeiten der Premium Food Group zu Gast. Ziel des Treffens war die Vernetzung der Organisationen, Verbände und Kommunen untereinander. Die Verantwortlichen des OWL-Corona-Sozialfonds hoffen, dass lokale Kooperationen gelingen. Vereine, Wohlfahrtsorganisationen und die städtische Verwaltung sollen Hand in Hand zusammenarbeiten. Wichtig ist es zudem, dass die Projekte auch Anwendung finden.
„Wir haben das klare Ziel, dass unsere Kolleginnen und Kollegen aber auch alle anderen Menschen mit Migrationshintergrund in Ostwestfalen von diesen wichtigen Projekten direkt profitieren“, ergänzte Katharina Meschede von der Premium Food Group. Daher waren auch zahlreiche Integrationskräfte und Betriebsratsmitglieder des Rheda-Wiedenbrücker Lebensmittelproduzenten zu Gast. Sie informierten sich über die Angebote und werden diese systematisch in die Belegschaft spiegeln.
Hintergrund
Der OWL-Corona-Sozialfonds war im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung zwischen der Premium Food Group (vormals Tönnies-Gruppe) und dem Land Nordrhein-Westfalen ins Leben gerufen worden. Die Vergleichssumme von 3,2 Millionen Euro wird vollständig für soziale Projekte bereitgestellt. Die sollen insbesondere Beschäftigten der Fleischindustrie und deren Familien zugutekommen.
Ziel ist es, Menschen in schwierigen sozialen oder wirtschaftlichen Situationen zu unterstützen und die gesellschaftliche Integration zu fördern. Insgesamt 1,8 Millionen Euro werden in der ersten Projektphase in den nächsten drei Jahren aus dem Fonds in die Projekte fließen. Weitere 1,4 Millionen Euro stehen ab 2027 zur Verfügung. Auch dann wird es wieder einen transparenten und unbürokratischen Prozess geben.
Für die erste Phase hatten sich fast 50 Kommunen, Kreise, Organisationen und Vereine um Förderung beworben. Ein Gremium, besetzt mit je einem Vertreter der Premium Food Group und des Landes NRW sowie Anna Katharina Bölling, Regierungspräsidentin im Regierungsbezirk Detmold, hatten über die Förderung der Projekte final entschieden.

