CO₂-Fußabdruck von Schweinefleisch deutlich gesenkt

Der Lebensmittelhersteller Tönnies hat den CO₂-Fußabdruck seines Schweinefleischs auf Basis neuer landwirtschaftlicher Primärdaten neu berechnet und erheblich reduzieren können. Der Product Carbon Footprint (PCF) für 2025 liegt demnach bei rund 3,06 Kilogramm CO₂-Äquivalent pro Kilogramm Schlachtgewicht für Schweinefleisch sowie bei 1,22 Kilogramm CO₂-Äquivalent für Sauenfleisch. Damit unterschreiten die Werte die bislang häufig verwendeten Datenbankansätze von etwa 4,1 Kilogramm CO₂-Äquivalent im Bereich Schwein um rund 25 Prozent.
Grundlage der neuen Berechnung sind umfassende Primärdaten aus der Klimaplattform Fleisch, die 2023 von Tönnies Lebensmittel initiiert und mittlerweile als Branchenlösung etabliert wurde, ergänzt durch detaillierte Informationen aus der eigenen Lieferkette. Die Methodik wurde extern geprüft und nach ISO 14067:2018 zertifiziert. Sprich: Die Berechnung des neuen PCF ist offiziell validiert.
„Die bisherigen Durchschnittswerte waren oft zu ungenau und stützten sich auf veraltete internationale Daten. Mit den neuen Primärdaten können wir die tatsächlichen Entwicklungen in der deutschen Landwirtschaft der vergangenen Jahre erstmals realitätsnah abbilden“, sagt Dr. Gereon Schulze Althoff, Chief Sustainability Officer bei dem Rheda-Wiedenbrücker Familienunternehmen.
Landwirtschaft als zentraler Hebel
Einen wesentlichen Beitrag zur Reduktion haben die landwirtschaftlichen Erzeuger geleistet. Denn mehr als 90 Prozent der Emissionen des PCF stammen aus der Tierhaltung. „Die größten Fortschritte erzielen wir dort, wo Emissionen tatsächlich entstehen – in der landwirtschaftlichen Produktion. Genau da setzen unsere Programme und Datensysteme an. Hier haben unsere Lieferenten in den vergangenen Jahren hervorragende Arbeit geleistet“, sagt Schulze Althoff. Dazu gehören unter anderem eine proteinreduzierte Fütterung, eine effizientere Ressourcennutzung, Zuchtfortschritte sowie Initiativen zur Verbesserung von Tiergesundheit und Tierwohl. So konnte beispielsweise der Sojaschroteinsatz pro Tier deutlich reduziert und gleichzeitig die Leistungsfähigkeit gesteigert werden.
Expertenrat bestätigt positive Entwicklung
Gestützt wird diese Entwicklung auch durch den aktuellen Prüfbericht des Expertenrats für Klimafragen, der am 18. Mai veröffentlicht worden ist. Demnach zählt die Landwirtschaft zu den wenigen Sektoren, die ihre Emissionsziele bislang erreichen. Vor diesem Hintergrund sieht sich der Lebensmittelhersteller mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück bestätigt. „Die Ergebnisse des Expertenrats zeigen, dass die Landwirtschaft verlässlich liefert. Unsere neuen Daten machen deutlich, wie groß die Fortschritte bereits heute sind“, sagt Schulze Althoff. Die von der Science Based Target Initiative (SBTi) validierten Klimaziele will das Unternehmen konsequent weiterverfolgen.
Partnerschaftlicher Ansatz für zusätzliche Fortschritte
Parallel dazu baut Tönnies Lebensmittel die Zusammenarbeit entlang der Lieferkette aus. Ziel ist es, gemeinsam mit Landwirten und Kunden zusätzliche Klimapotenziale zu erschließen und messbar zu machen. Dafür wurde ein Programm entwickelt, das Innovationen im Stall gezielt fördert und weitere Emissionsminderungen ermöglicht.
Betriebe, die beispielsweise in effizientere Fütterung, bessere Tiergesundheit und optimierte Nährstoffkreisläufe investieren, können ihre Fortschritte transparent dokumentieren. Diese zusätzlichen Klimaleistungen lassen sich in die CO₂-Bilanzen teilnehmender Kunden integrieren. Wichtig ist, dass nun noch mehr Landwirte mitmachen und ihre Daten in die QS-Klimaplattform einstellen.
Gleiche Maßstäbe im Wettbewerb
Mit Blick auf den Markt sieht das Unternehmen weiteren Handlungsbedarf: Für eine langfristig auch wirtschaftlich tragfähige Umsetzung ist aus Sicht von Tönnies Lebensmittel eine vergleichbare Vorgehensweise unerlässlich. „Klimaschutz funktioniert nur auf Basis belastbarer Daten und wenn alle Beteiligten entlang der Lieferkette Verantwortung übernehmen“, sagt Schulze Althoff. „Deshalb brauchen wir ein gemeinsames Verständnis von Zielniveau, Methodik und Transparenz – im Wettbewerb ebenso wie mit unseren Kunden.“

