Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) geht davon aus, dass der weltweite Bedarf an Fleisch bis zum Jahr 2050 um rund 20 Prozent zunehmen wird, während der Konsum in Europa auf einem konstanten Niveau verbleibt. Vor diesem Hintergrund stellt sich weniger die Frage nach dem „Ob“, sondern nach dem „Wo“ der zukünftigen Produktion. Beim 7. Symposium der Tönnies Forschung in Berlin herrschte unter Expertinnen und Experten Einigkeit darüber, dass Länder mit hohen Umwelt- und Tierwohlstandards eine besondere Verantwortung tragen – und dass Deutschland hierfür hervorragend aufgestellt ist.

Mehr als 160 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Handel und Landwirtschaft folgten der Einladung der Tönnies Forschung gGmbH, der gemeinnützigen Forschungsplattform der Premium Food Group. Zu den Gästen zählten unter anderem Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer sowie Armin Laschet, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag. Im Mittelpunkt der zweitägigen Veranstaltung stand die Frage, wie sich die Nutztierhaltung in Deutschland weiterentwickeln lässt, ohne Klimaziele, gesellschaftliche Erwartungen und wirtschaftliche Tragfähigkeit gegeneinander auszuspielen.

Breiter Konsens bestand darin, dass Deutschland über fundiertes Fachwissen, leistungsfähige Strukturen und international anerkannte Standards bei Tierwohl und Nachhaltigkeit verfügt. Diese Stärken gelte es nicht nur zu bewahren, sondern gezielt auszubauen. „Wir investieren aus Überzeugung in Tierschutz und Nachhaltigkeit“, sagte Robert Tönnies, Gesellschafter der Premium Food Group, in seiner Eröffnungsrede. Als Beispiele nannte er die ausgeweitete Ringelschwanz-Prämie für Tiere der Haltungsformen 2 und 3 sowie den neu eingeführten Gesundheitsbonus. Beides unterstreiche den Anspruch, den Standort Deutschland langfristig als leistungsfähigen und verantwortungsvollen Produktionsstandort zu sichern. Eine Verlagerung der Tierhaltung ins Ausland würde weder dem Klima noch dem Tierwohl dienen, sondern vielmehr gegenteilige Effekte haben.

Tönnies Forschung will zusätzliche Nachhaltigkeitspotenziale heben

Die deutsche Landwirtschaft hat in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte erzielt – sowohl beim Umbau der Haltungsbedingungen als auch bei der Reduktion von Treibhausgasemissionen. Um diesen Weg fortzuführen, engagiert sich die Tönnies Forschung mit einer Vielzahl von Projekten für die Weiterentwicklung bestehender Systeme und die Erschließung zusätzlicher Nachhaltigkeitspotenziale. Klar ist jedoch: Wissenschaftliche Arbeit allein reicht nicht aus. Entscheidend sind verlässliche und langfristige politische Leitplanken.

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer betonte in diesem Zusammenhang: „An Verlässlichkeit und Vertrauen arbeite ich seit Tag eins als Bundesminister.“ Vertrauen sei auch im internationalen Handel ein zentraler Faktor. „Made in Germany ist ein Qualitätsmerkmal. Wir können damit weltweit Werbung machen“, so Rainer. Angesichts des global wachsenden Fleischkonsums eröffnen sich aus seiner Sicht große Chancen für die deutsche Ernährungsindustrie. „Der Fleischkonsum nimmt weltweit zu und bietet daher viele Chancen für die deutsche Ernährungsindustrie. Wir unterstützen die Branche daher auch mit unserer Agrarexportstrategie.“

„Verfügbarkeit von Nahrung immer wieder in Erinnerung rufen“

Armin Laschet lenkte den Blick auf die strategische Bedeutung der Eigenversorgung mit Lebensmitteln. Gerade in Krisenzeiten – etwa während der Corona-Pandemie oder zu Beginn internationaler Konflikte – habe sich gezeigt, dass Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie in Deutschland leistungsfähig und anpassungsfähig sind. Dies sei ein wesentlicher Beitrag zur Stabilität der Gesellschaft. Zwar lasse sich Klimaschutz theoretisch einfacher ohne Landwirtschaft erreichen, doch dies hätte gravierende Folgen. „Aber dann wären wir abhängig von Produzenten im Ausland mit deutlich schlechteren Standards“, sagte Laschet und mahnte: „Verfügbarkeit von Nahrung ist etwas, das wir uns immer wieder in Erinnerung rufen müssen.“

Für die Premium Food Group bedeutet dies, Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit konsequent zusammenzudenken. Unternehmer Clemens Tönnies sieht darin den täglichen Auftrag für die Beschäftigten des Unternehmens in enger Partnerschaft mit der Landwirtschaft. „Nachhaltigkeit ist bei uns gelebte Praxis und Firmen-DNA. Das fängt bei uns in den Werken an und hört beim Futtermittel der Landwirte, die uns beliefern, auf“, erklärte er im Gespräch mit den politischen Gästen.

CO₂-Fußabdruck von Schweinefleisch der Premium Food Group deutlich gesunken

Er verwies dabei auch auf den neu berechneten CO₂-Fußabdruck von Schweinefleisch innerhalb der Premium Food Group: „Der ist um mehr als 25 Prozent besser, als vor 10 Jahren. Und das ist vor allem der Verdienst der Bäuerinnen und Bauern, die einen tollen Job machen und ihre Bemühungen im Bereich Ressourcenschutz ernst nehmen.“

Die Richtung sei damit klar: Der eingeschlagene Weg hin zu mehr Tierwohl, Klimaschutz und Effizienz müsse konsequent weiterverfolgt werden – gemeinsam von Landwirtschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

Am zweiten Tag des Symposiums der Tönnies Forschung in Berlin ging es unter anderem um aktuelle Forschungprojekte, die von der gemeinnützigen Gesellschaft gefördert werden. Darüber hinaus haben mehrere Wissenschaftler in ihren Fachvorträgen die Themen des Vorabends aufgegriffen. Hier geht es zu allen Vorträgen und Ergebnissen der Forschungsprojekte der Tönnies Forschung.

Bildergalerie zum 7. Symposium der Tönnies Forschung

Sustainability expert – Gereon Schulze Althoff

Dr. Gereon Schulze Althoff 

Sustainability

gereon.schulzealthoff@premiumfoodgroup.de